Die junge Frau stöbert gemütlich durch den Laden. Schließlich steht sie mit einer kleinen Auswahl an der Kasse und strahlt mich an.
„Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen. Ich habe mich nur im Cap-Markt für die Mittagspause eingedeckt.“ Sie stellt ab, was man für die physische Besitzstandswahrung so braucht: Spekulatius, Smoothie und Würstchen. Dazu legt sie ihre neuen Funde. Ich sehe ihr fasziniert zu.
In stillem Einverständnis rücken wir einiges zurecht und sehen ein modernes Stillleben vor uns. HAMBURGER KURVEN neben Würstchen und Mord.
Irgendetwas erinnert mich an Loriots ADVENT-Gedicht: die Försterin erschießt den Förster am Niklasabend im Herrenzimmer (vielleicht hat er sich zu viel mit den Hamburger Kurven befasst?), zerteilt ihn und verpackt alles in Geschenkpapier. Anschließend übergibt sie die Pakete an Knecht Ruprecht, der mit einem Schlitten vorbeikommt. Das Gedicht schließt mit der Zeile:
Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: es ist Advent.
Ich weiß nicht, was die Kundin für Bilder vor Augen hatte – auf jeden Fall brechen wir nach stumm bewundernder Betrachtung unseres Werkes unter homerischem Gelächter an der Kasse zusammen.